Scharf auf seltene Erden
Kiew erschließt Bodenschätze im Kampf gegen russische Aggression
28.02.2025, 10:15 Uhr
Die Ukraine hat den USA den Zugang zu wertvollen Bodenschätzen gewährt, um die Supermacht als Verbündeten im Kampf gegen die russische Aggression zu gewinnen. Ein Rahmenabkommen soll an diesem Freitag unterzeichnet werden, wenn der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj in Washington zu Gast ist.
Monatelange Verhandlungen über diese Vereinbarung haben nicht nur zu Fortschritten, sondern auch zu Debatten über die möglichen Auswirkungen auf die kriegsgeplagte Ukraine geführt. Das Ergebnis ist eine politische Absichtserklärung, jedoch bleibt der tatsächliche Weg zur Nutzung der Rohstoffe lang und ungewiss.
Was wird in Washington konkret unterzeichnet?
Das umfassende Rahmenabkommen, bestehend aus elf Punkten, sieht die Einrichtung eines Wiederaufbaufonds für die Ukraine vor. Die Ukraine verpflichtet sich, 50 Prozent aller Einnahmen aus zukünftigen Rohstoffprojekten in diesen Fond einzuzahlen. Dies beinhaltet Erträge aus Mineralvorkommen, Erdöl und Erdgas, sowie Einnahmen aus der Nutzung von Infrastruktur. Seltene Erden werden im Dokument nicht speziell hervorgehoben.
Sicherheitsgarantien für die Ukraine werden im Abkommen als Ziel formuliert, jedoch ohne konkrete finanzielle Richtschnur. Diese sollen in einem späteren, noch zu erarbeitenden Vertrag festgelegt werden.
Wie geht es mit dem Abkommen weiter?
Der Hauptvertrag über den Fonds ist bisher nicht finalisiert. Die Ausarbeitung könnte Monate in Anspruch nehmen und zusätzlich müsste das Abkommen vom ukrainischen Parlament genehmigt werden. Selenskyj sieht sich dabei mit einer instabilen Mehrheit konfrontiert, was die Implementierung des Abkommens erschwert.
Welche Rohstoffe bietet die Ukraine an?
Der Gesamtwert der ukrainischen Bodenschätze wird auf etwa 14 Billionen Euro geschätzt, wobei mehr als 60 Prozent auf Steinkohle entfallen. Diese ist für den US-Markt jedoch eher uninteressant. Weitere 14 Prozent entfallen auf Eisenerz, während andere Rohstoffe marginale Anteile haben. Der Großteil der verfügbaren Erkundungsdaten stammt aus der sowjetischen Ära, und genaue Informationen über abbaubare Vorkommen seltenen Materialien sind eher rar.
Aktuell kontrolliert Russland über 40 Prozent der Vorkommen seltener Metalle. Die Ukraine behauptet, die größten Lithiumreserven in Europa zu besitzen, die für die Akku-Produktion entscheidend sind. Schätzungen zufolge gibt es 33 Millionen Tonnen, aber zwei Lagerstätten sind nach dem russischen Einmarsch in deren Hand gefallen.
Für die Elektronikindustrie ist Germanium von Bedeutung, mit geschätzten 41.000 Tonnen in der Ukraine. Darüber hinaus könnte ukrainisches Titan eine wichtige Rolle in der US-Rüstungsindustrie spielen und die Abhängigkeit von China reduzieren.
Welches Ziel verfolgt die Ukraine mit diesem Abkommen?
Selenskyj hat in der Vergangenheit auf die wertvollen Rohstoffe seines Landes hingewiesen. In seinem Siegesschritt von Herbst 2024 appellierte er an die USA, insbesondere an Trump, der für seine Geschäftsmentalität bekannt ist.
Trump zeigte Interesse, jedoch wurden die geforderten Konditionen als inakzeptabel erachtet – darunter Forderungen über 500 Milliarden Dollar, was das Zweieinhalbfache der ukrainischen Vor-Kriegs-Wirtschaftsleistung ausmacht. Im neuen Abkommen sind diese Bedingungen nicht mehr aufgeführt, und es wurde erreicht, dass Sicherheitsgarantien zumindest angedeutet werden.
Das Hauptziel ist, die USA als strategischen Partner im gegenwärtigen Konflikt mit Russland zu halten, auch wenn Trump die NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine ausschließt. Mit diesem Abkommen plant Selenskyj, in Washington das Thema Waffenlieferungen anzusprechen.
Welches Interesse hat Trump an diesem Deal?
Trump benötigt einen schnellen Erfolg. Sein Ziel, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine innerhalb von 24 Stunden zu beenden, ist gescheitert. Das Abkommen gibt ihm die Möglichkeit, einen gewinnbringenden Deal vorzustellen, obwohl die konkreten Inhalte fehlen. Es bleibt unklar, wie und wann Investitionen tatsächlich getätigt werden und ob Dividenden aus dem Fonds zurück in die USA fließen.
Dabei bleibt die Frage offen, woher die Gelder für die Investitionen kommen sollen, ohne auf Steuermittel zurückzugreifen. Trump muss investors klare und attraktive Bedingungen bieten, was vor allem stabilen Frieden in der Ukraine erfordert.
Wer sonst ist an den ukrainischen Rohstoffen interessiert?
Die EU hat bereits 2021 eine strategische Rohstoffpartnerschaft mit der Ukraine vereinbart, doch bisher mangelt es an konkreten Fortschritten. In Brüssel gibt es Bedenken, dass ein nachteiliger Deal mit den USA die wirtschaftliche Lage der Ukraine schwächen könnte, was sich negativ auf internationale Kredite und einen möglichen EU-Beitritt auswirken könnte. Zudem muss die Ukraine auch mit Frankreich Gespräche führen, die ebenfalls an Rohstoffen für ihre Rüstungsindustrie interessiert sind.